Maria durch ein Dornwald ging
Das adventliche Lied „Maria durch ein Dornwald ging“ (Gotteslob 224) ist fester Bestandteil der Vorweihnachtszeit. Text und Melodie stammen in der Fassung des Gotteslobs von August von Haxthausen vermutlich aus dem Jahr 1850. Ursprünglich handelte es sich um ein Wallfahrtslied.
VON PHILIPP FROEHLING
Der Dornwald
Gott setzt den Menschen in einen optimalen Garten, der ihm alle Lebensgrundlage bietet. Nach dem Sündenfall wird der Mensch aus diesem Garten ausgeschlossen und muss fortan mühsam sein tägliches Brot erarbeiten. Neben der Mühsal des Lebens und der Erfahrung der eigenen Endlichkeit begegnen uns täglich kleine Dornen: unsere Fehler, Unaufmerksamkeiten, charakterliche Schwächen – letztlich Schuld und Sünde. Wir sind Verwundete auf dem Weg durch unser Leben mit und zu Gott.
Die Gottesmutter Maria
Maria ist der von Gott auserwählte Mensch, der diesen Weg durch den Dornwald unseres Lebens mit Licht und Leben erfüllen kann. Ihr Ja ermöglicht die Menschwerdung, ihr Ja macht ein Aufblühen und Fruchtbarwerden möglich. Die alte Verheißung, dass es nach der Zeit der Dornen eine Zeit der Fülle geben wird, bekommt durch die Gottesmutter Fleisch und ein Gesicht. Im Hintergrund steht die biblische Erzählung des Besuchs bei Elisabeth. (Lk 1,39-45) Maria ist es, die durch ihren Dienst und ihre Bereitschaft eine Perspektive des Heils und der Heilung eröffnet hat.
Die Weggemeinschaft mit Maria
Mit Maria dürfen wir unseren Blick weg vom Dornwald unseres Lebens hin zu Jesus richten. (2. Strophe) Im Innern der Gottesmutter wächst der ewige Sohn des Vaters heran. Als Christen glauben wir, dass wir nicht alleine durch dieses Leben gehen. Es ist Jesus, der in uns und durch uns wirken will. Es braucht dazu immer wieder unser eigenes Ja. Dann gehen wir nicht alleine durch den Dornwald unseres Lebens. Dann dürfen wir erfahren, dass das trockene Land zu blühen beginnt. Wir dürfen staunen, was Gott denen bereitet, die ihn lieben. Ja, dann kann durch den Dornwald unseres Lebens Weihnachten werden.