Wie finde ich Anschluss als junger Christ?
VON
LUCIA KOHLER
Als ich als Teenager von meiner ersten christlichen Veranstaltung nachhause kam, merkte ich sofort, dass es mir schwerfiel, an das anzuknüpfen, was ich erlebt hatte. Im Alltag ist es mir gar nicht mehr so leichtgefallen, Kraft aus dem Glauben zu schöpfen. Vielleicht kennst du das: Ohne andere, die deine Begeisterung teilen, ist oft schnell die Luft raus. Vielleicht magst du den Rummel von Festivals oder Jugendfreizeiten sowieso nicht, der Sonntagsgottesdienst ist dir aber doch irgendwie „zu wenig“ und du wünschst dir Gleichgesinnte. Aber wie findest du sie, wenn du in deiner Gegend niemanden kennst, mit dem du über den Glauben sprechen kannst? Oder er dich in der Klasse eher zum Außenseiter macht? Erstmal eine gute Nachricht: Auch wenn man sich als christlicher junger Mensch allein fühlen kann, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, andere kennenzulernen. Den richtigen Weg für sich zu finden, kann trotzdem überfordern. Stell dir mal die Frage, nach was du konkret suchst - das kann helfen.
Du suchst nach regelmäßigen Veranstaltungen?
An vielen Orten gibt es offene Gebetsabende, an denen du frei kommen und gehen kannst, egal ob allein oder in der Gruppe. Einige Beispiele für regelmäßige Veranstaltungen sind das Nightfever oder die Holy Hour der Jugend 2000. Hier herrscht kein Druck, mit irgendwem sprechen zu müssen und du kannst trotzdem mit dabei sein. Falls du Interesse an mehr Austausch hast: Die Menschen dort sind offen für Leute, die nach Gleichgesinnten suchen. Sprich einfach jemanden an, besonders, wenn du nach einem Gebetskreis oder ähnlichem suchst. Du kannst dich auch jederzeit an eine der katholischen Jugendstellen wenden, sie organisieren Events und bringen so Jugendliche aus verschiedenen Gemeinden zusammen.
Du suchst nach engem Austausch und willst dich einbringen?
Ein Gebets- oder Hauskreis kann eine tolle Möglichkeit sein, im kleineren Kreis regelmäßig zu beten und eine feste Gruppe an jungen christlichen Leuten zu finden, unter denen du dich wohlfühlst. Falls du Lust hast, dich mit deinen Fähigkeiten in der Kirche miteinzubringen, könntest du dich an den BDKJ oder die Jugend 2000 wenden. Der BDKJ ist der große katholische Jugendverband, der viele Gruppen wie zum Beispiel Pfadfinder, Landjugend oder Ministrantenarbeit bündelt. Die Jugend 2000 ist eine Jugendbewegung, in der du dich in verschiedenen Bereichen engagieren kannst, sei es musikalisch oder im Bereich Social Media.
Du möchtest eine intensive Zeit erleben?
Vielleicht wäre dann eine Jüngerschaftsschule das Richtige für dich. Mir hat ein solches Angebot geholfen, nicht nur im Glauben zu wachsen, sondern auch echte, tiefe Freundschaften zu knüpfen. Mittlerweile gibt es in Deutschland, aber auch weltweit ganz verschiedene Modelle von Jüngerschaftsschulen. Die Loretto Gemeinschaft, YWAM International („Youth with a Mission“) oder die Gemeinschaft Emmanuel sind nur drei Anbieter von vielen. Wenn dich das interessiert, schau dich einfach mal um.
„Geht hinaus in alle Welt!“ - Glaube im Alltag
Gemeinschaft mit anderen Christen ist eine wertvolle Ressource, wo wir auftanken können und natürlich auch dürfen. Doch Jesus hat noch eine andere Vision für uns, nämlich den Missionsauftrag: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern.“ (Matthäus 28,19) - Anders gesagt: Kommt ins Gespräch mit den Menschen, Erzählt von euren Glaubenserfahrungen, Ladet ein! Was das konkret für deinen Alltag bedeuten könnte? Das kann ganz klein beginnen, vielleicht mit einem stillen Tischgebet in der Schule oder Uni. Du musst deinen Glauben nicht vor Menschen verstecken, von denen du nicht weißt, ob sie ihn teilen. Ganz im Gegenteil: Das kann Verbindung schaffen, vielleicht erreichst du Menschen, von denen du das niemals erwartet hast. Mit der Zeit wird es immer einfacher, über den Glauben zu sprechen, auch wenn man sich damit Anfangs schwertun kann. Probier‘s doch einfach mal aus!
Du bist nicht allein!
Es gibt kein Erfolgsrezept, um Anschluss zu finden. Besonders wenn wir nach Menschen suchen, die ähnlich ticken wie wir selbst. Der eine tut sich leichter, der andere schwerer. Auch innerhalb der Kirche. Manchmal fühlen wir uns allein und wünschen uns mehr Gleichgesinnte. Es kann anstrengend sein, neue Menschen kennenzulernen. Aber das Schöne ist: Wir sind trotzdem nie allein. Direkt nach Jesu Missionsauftrag erinnert er uns daran: „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Matthäus 28,20)