23.03.2026

Der Kreuzweg Jesu

In den letzten Wochen der österlichen Bußzeit richtet sich der Blick der Kirche auf das Leiden und Sterben Jesu. Am Palmsonntag und am Karfreitag wird die Passion Jesu in den Gottesdiensten vorgetragen. Die Passion ist mehr als nur Schauspiel, sie fordert von uns, unseren Platz zu suchen.

Jesu Kreuzweg mitgehen

Von Anfang an war es Christen wichtig, den Leidensweg Jesu nachzugehen und nachzuempfinden. Im Vordergrund steht dabei das betrachtende Gebet, das Jesu auf seinem Weg nach Golgotha begleitet. Die Bildstöcke und Texte des Kreuzweges ermutigen uns, auf Jesus zu blicken, seine Tat zu bedenken und uns zu fragen, welche Bedeutung sein Leiden für uns und unser Leben hat. Diese meditative Form des Kreuzweges lädt uns dazu ein, unseren Platz im Geschehen zu suchen und uns berühren zu lassen.  

Sich berühren lassen

Die französische Heilige und Patronin der Mission Therese von Lisieux hat sich von der Betrachtung des Gekreuzigten anrühren lassen. Sie verbrachte einige Zeit vor einem Bild Sie schreibt in ihrer Autobiographie, welch tiefen Schmerz sie empfand, als sie das Blut Jesu unaufgefangen zu Boden fließen sah. Sie stellte sich vor, dass sie selbst unter dem Kreuz steht und das kostbare Blut auffängt.

Sie ließ sich auch von direkt ansprechen. Jesu Ruf: „Mich dürstet“ (Joh 19,28) verstand Therese als einen Auftrag an sich selbst, Jesu Durst zu löschen. Sie deutete den Ausruf als Durst nach Wasser und nach den Seelen Menschen, die er vom Kreuz aus zu sich führen will (vgl. Joh 12, 32). Die Betrachtung des Gekreuzigten löste in Therese den Impuls aus, nicht am Kreuz stehen zu bleiben.

Im Zeichen des Kreuzes weitergehen

Für Therese wurde die Szene zum entscheidenden Punkt ihres missionarischen Wirkens. Sie verstand, dass sie das aufgefangene Blut Jesu in Form der Liebe an die Menschen austeilen wollte. Gleichzeitig war es ihr Wunsch Menschen zu Jesus zu führen, um seinen Durst zu löschen. Ihre Erfahrung gipfelte in der Erkenntnis ihrer Berufung: Ich will in der Kirche die Liebe sein. Eine Liebe, die nicht zwingt, die aber ausstrahlt und den letzten Durst unseres Lebens löschen kann, weil sie zu Jesus Christus führt.

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