Sehnsucht nach Eden
VON MAREIKE SCHMITZ
Im Anfang war alles gut
Gottes ursprünglicher Plan für die Menschen bestand darin, sie mit Schönem zu beschenken und Gemeinschaft mit ihnen zu haben. Im Buch Genesis lesen wir, wie er Adam und Eva in einen prächtigen Garten setzte und ihnen die gesamte Schöpfung anvertraute (vgl. Gen 2). Der Mensch als Gegenüber Gottes, befand sich in einem Zustand der „Nacktheit ohne Scham“- Seine ganze Person lag vor Gott offen und sie sahen einander mit einem Blick vollkommenen Friedens an. Diese Gemeinschaft war von besonderer Qualität und erfüllte den Menschen ganz.
Der Bruch
Leider lassen sich Adam und Eva von der Schlange verführen und begehen die erste Sünde der Menschheit, die sich bis heute durch das menschliche Herz zieht: Sie misstrauen Gott und seiner Güte - als Konsequenz daraus müssen sie den Garten verlassen und beginnen, sich voreinander und vor Gott zu verstecken. Dieser Bruch verwundet das menschliche Herz so tief, dass es nun Schwierigkeiten hat, sich vertrauensvoll Gott zuzuwenden. Noch bis heute entspricht das der menschlichen Erfahrung: Wir haben Angst vor den Blicken anderer und befürchten, auch Gott könnte uns mit seinem Blick verurteilen.
Gebet als Ort der Sehnsucht
Das Herz Gottes hat einen schmerzhaften Bruch erfahren: seine Sehnsucht nach den Menschen wurde nicht erwidert. Doch Gott bleibt den Menschen durch die Heilsgeschichte hindurch treu und wirbt beständig um ihr Vertrauen. In Christus wird die Liebeshingabe Gottes schließlich sehr konkret.
Im Menschen dennoch bleibt ein Widerhall von Eden, der ihn beständig nach Erfüllung suchen lässt. Wie die Mystiker bezeugen, kann das Gebet für uns heute zum Ort werden, an dem die liebende Sehnsucht Gottes und die des menschlichen Herzens sich wieder berühren.
Ich möchte dich diese Woche dazu einladen, dich diesem liebenden Blick Gottes zu stellen, der bereits beständig auf dir ruht. Nur hier findet unsere Seele ihren Frieden. Ein kleines Gebet reicht aus: „Danke Gott, dass Du meine Tiefen kennst und mich liebevoll ansiehst. Ich vertraue dir.“