01.06.2026

Treue?

Wir alle kennen Menschen aus unserem Umfeld, die – oft nach Jahrzehnten in einem bestimmten Lebensstand – neue Wege einschlagen. Ehen zerbrechen, Versprechen werden zurückgenommen, Menschen lösen sich von einst getroffenen Entscheidungen.

Keine Garantie

Mein Gebet lautet immer wieder:
„Lieber Gott, bewahre mich davor, untreu zu werden.“

Ich erlebe meine Berufung im Ordo Virginum als erfüllend, auch wenn es Zeiten der Trockenheit gibt, in denen Disziplin und Ausdauer gefragt sind. Natürlich weiß ich nicht, welche dunklen Stunden noch auf mich warten oder welchen Herausforderungen ich eines Tages begegnen werde. Selbstverständlich verurteile ich niemanden für seine Entscheidungen. Dennoch erschreckt mich der Gedanke, selbst einmal diese innere Sicherheit zu verlieren.

Anstrengung

Schon auf den ersten Seiten der Bibel hören wir davon, dass Liebe und Vertrauen versucht werden. Auch in unserem Alltag erleben wir im Kleinen wie im Großen, dass Beziehungen Pflege, Geduld und manchmal echte Arbeit verlangen.

Bevor wir etwas abbrechen, lohnt sich die ehrliche Frage: Was tritt an seine Stelle? Wird es wirklich besser? Bereits Adam und Eva erfahren nach ihrer Abwendung unmittelbar die Folgen ihrer Entscheidung. Viele Menschen erleben etwas Ähnliches auch heute: Es bleiben Wunden zurück - häufig eine Verletzung der Beziehung zu sich selbst, zu anderen oder zu Gott.

Wesensmerkmal Gottes und unsere Antwort

Eine der zentralen Aussagen der Bibel über Gott lautet: Er ist treu (1 Kor 1,9). Gott steht zu seinen Zusagen – trotz aller menschlichen Untreue. Er bleibt barmherzig und gnädig.

Im lateinischen Wort fides liegen die Bedeutungen von Treue, Vertrauen und Glaube eng beieinander. Vielleicht liegt genau darin unsere Antwort: Gott zu vertrauen, dass er auf dem rechten Weg führt und uns nicht alleine lässt - gerade in schwierigen Zeiten. Vor kurzem haben wir Pfingsten gefeiert, die Treue gehört zu den „Früchten des Heiligen Geistes“, bitten wir ihn um seinen Beistand.

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