17.08.2026

Sich entscheiden

Dem Heilige Ignatius von Loyola, Gründer des Jesuitenordens, verdankt die Kirche den Schatz der „Unterscheidung der Geister“. Noch heute dient dieses geistliche Prinzip zahlreichen Menschen, die vor Entscheidungen stehen, den guten Willen Gottes für ihre Leben zu erkennen. Ob in großen Berufungsfragen oder kleinere Entscheidungen des Alltags:  Wir haben Angst davor, eine falsche Entscheidung zu treffen, es im Nachhinein zu bereuen… Wie also kann ich/kannst Du, in der konkreten Situation mehr Gelassenheit und Sicherheit für eine Entscheidung gewinnen?

Der Wille Gottes

Wir glauben an einen guten Gott, der mich/dich liebt und das Beste für mich/dich im Sinne hat. Seinen Willen zu erkennen und nach ihm zu leben ist somit der Schlüssel zu einem erfüllten Leben.

Die Regungen des Herzens

Bei Ignatius geht es darum, die inneren Regungen des Herzens aufmerksam wahrzunehmen. Welche inneren Affekte, Ängste, Sehnsüchte, Befürchtungen, bewegen sich in mir bei Option A, welche bei Option B? Die oft sehr widersprüchlichen Regungen bedürfen dann der Unterscheidung.

Die Indifferenz und die Frage nach dem Magis

Für den Heiligen Ignatius ist es von Bedeutung, beide Optionen als Gute, vollwertige Optionen anzuerkennen. Das nennt er auch „Indifferenz“. Sie kann uns davon befreien, dass uns die Angst besetzt und lähmt. Daraufhin ist nicht mehr dir Frage nach der „richtigen“ oder „falschen“ Entscheidung, sondern es besteht nun eine Wahl zwischen „gut“ und „besser“. Vielleicht kennst Du das ignatianische „Magis“? Welche Entscheidung „bringt“ mehr?

Mehr Frucht und mehr Trost

Als Hauptkriterien nennt der Heilige Ignatius die Frage nach der größeren Frucht und dem größeren Trost: Damit ist nicht gemeint: wie groß wird das messbare Ergebnis sein? Oder verspricht mir die Entscheidung dem modernen Verständnis nach Spaß? Es geht hier vielmehr um „Qualität“ als um „Quantität“. Mehr um „tief“ als um „viel“. Nach Irenäus von Lyon ist es das, was menschliches Leben ermöglicht und aufblühen lässt, das, was mich persönlich und die anderen in die Liebe und Beziehung führt. Damit kann auch die spirituelle Erfahrung der spürbaren Nähe Gottes und das Erfüllt sein mit dem Heiligen Geist gemeint sein.

 Tipps:

  1. Bewege deine Herzensregungen ehrlich vor Gott in der Stille. Lade ihn in deine inneren Prozesse ein. Erlaube ihm, zu dir zu sprechen.
  2. Wenn Du selbst nicht weiterkommst, suche dir jemanden von außen, der dich begleiten kann. Ein Freund? Ein geistlicher Begleiter?

Im Ende birgt jede Entscheidung ein Risiko in sich. Deshalb lasst uns mutig sein und darauf vertrauen, dass Gott uns täglich neue Gnade schenkt, die uns anvertraute Freiheit, Entscheidungen zu treffen, gut verwalten.  

(die Gedanken sind aus dem Büchlein „sich entscheiden“ von Stefan Kiechle entnommen aus der Reihe „Ignatianische Impulse“)

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