Das Kreuz Christi hochhalten
Trophäen werden mit Stolz hochgehalten: sei es der bronzene, mit Gold überzogene Oscar für die besten Filmschaffenden oder auch der Pokal, der nach dem diesjährigen WM-Finale von Spanien in Empfang genommen wurde. Im übertragenen Sinn halten wir Dinge hoch, wenn wir sie bewahren und wertschätzen.
14. September - das Fest Kreuzerhöhung
Wie steht es um das Kreuz Christi – wollen wir das hochhalten?
In der österlichen Darstellung hält Christus als der Auferstandene das Kreuz mit Siegesfahne als Triumphzeichen selbst nach oben. Es ist das Kreuz, das zum Kennzeichen der Christen wurde, nicht etwa der weggewälzte Stein oder das leere Grab. Es ist Zeichen der Erlösung und dennoch Folterinstrument. Allzu verständlich, wenn wir die Aussage des Hl. Paulus „Ich will mich allein des Kreuzes Christi rühmen!“ (vgl. Gal 6,14) nicht einfach für uns übernehmen wollen. Wie kommt man hinein in diese Paulinische Gesinnung, die im Kreuz etwas so überaus Ruhmreiches entdeckt? Ein Satz aus dem Johannesevangelium, in dem Jesus seine Kreuzigung andeutet, berührt mich besonders:
Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen.
(Joh 12,32)
Anziehung zwischen zwei Menschen – wir kennen das, wenn wir verliebt sind. Mit so einer starken und positiven Emotion bringt Jesus sein grausames Sterben in Verbindung? Nicht Verachtung, Verbitterung oder Resignation, sondern immer noch Liebe und nur Liebe will uns der Gekreuzigte mit seinen weit ausgebreiteten Armen vom Kreuz her entgegenbringen.
„Wenn ich erhöht bin…“ – Christus erhöht sich nicht selbst, die Bewegung seines Lebensweges kennt nur eine Richtung: nach unten, tiefer, demütiger, staubiger… Er muss von uns erhöht werden. Wir müssen sein Kreuz hochhalten, damit er auch heute Menschen an sich ziehen kann. Das ist Evangelisierung. Wie tun wir das? Sich zum Zeichen des Kreuzes bekennen, Leidenden beistehen, Friedfertigkeit suchen, auf Gewalt verzichten und unabwendbares Leid aus der Kraft Christi heraus annehmen und bewältigen lernen.
Wenn du das Fest der Kreuzerhöhung dieses Jahr vertieft erleben willst, dann lade ich dich herzlich ein, an der Göttlichen Liturgie in Augsburg teilzunehmen, die von einem katholischen Priester im byzantinischen Ritus gefeiert wird: Samstag, 19. September 2026 um 10:00 Uhr in St. Sebastian, Augsburg.
Als kleinen Vorgeschmack hier ein Auszug aus den Stichiren zu den Lucernarpsalmen (Kiever Gesang):
Das erhöhte Kreuz gebietet der ganzen Schöpfung,
zu besingen das allerreinste Leiden,
dessen, der auf ihm wurde erhöht.
Denn auf ihm tötete er den,
der uns getötet hatte,
er belebte die Toten neu,
läuterte sie und würdigte sie,
im Himmel zu wohnen,
denn er ist barmherzig und
von überaus großer Güte.
Deshalb erheben wir voll Freude seinen Namen
und verherrlichen sein erhabenes Niedersteigen.