28.09.2026

Hl. Franz von Assisi: Wenn Armut Freiheit bedeutet

Armut – erstrebenswert?

In Deutschland gilt jedes 7. Kind als armutsgefährdet. Eine ausgewogene Ernährung, die Gebühr für den Sportverein, Geburtstagsfeiern, Klassenfahrt – all das ist dann keine Selbstverständlichkeit. Gerade Alleinerziehende wissen oft nicht, wie sie noch die kleinste Mieterhöhung, Nachzahlung oder Neuanschaffung bewältigen sollen. Wieso also „feiern“ wir als Kirche das Armutsideal eines Heiligen Franziskus, dessen Todestag sich am Sonntag, den 4. Oktober zum 800. Mal jährt?

Jeden Cent umdrehen zu müssen, ist nicht angenehm. Nicht bei jedem Geldbetrag fieberhaft überlegen zu müssen, ob es wohl noch reicht, bringt definitiv Erleichterung. Und dennoch: Besitz kann auch schnell zur Last werden. Das weiß jeder, der schon mal mit zu viel Gepäck unterwegs war. Und auch zu Hause bedeutet: wer viel hat, muss sich auch um vieles kümmern! Trotz allem „schneller – höher – weiter“ gibt es in unserer Gesellschaft auch viel Gespür dafür, dass weniger mehr sein kann: Fastenkurse, digital detox, tiny houses, minimalistischer Lebensstil (bis hin zur gerade viral gehenden Frugal-WG).

Die Freiheit eines Franziskus

Angesichts all dieser Facetten – was kennzeichnet nun jene Armut, für die der Hl. Franziskus zu begeistern wusste? Viele würden wohl im Zusammenhang mit dem kirchlichen Armutsideal zuallererst an Verzicht denken. In meinen Augen kann das irreführend sein! Ich denke es geht um Freiheit und damit mag durchaus eine gewisse Nähe zu den oben genannten Trends liegen. Gilbert Chesterton arbeitet in seiner Studie über den Hl. Franziskus heraus, wie die Armut des Bettelmönchs erst der Garant für deren Freiheit ist. Selbst wenig Besitz würde sie zwingen, diesen zu verteidigen. Franziskus und seine Minderbrüder waren somit „freier als der gewöhnliche Mensch.“ Denn sie waren frei vom „Netzwerk feudaler, verwandtschaftlicher und anderer Art von Abhängigkeit.“ Armut bedeutet in diesem Lebensmodell also nicht Einschränkung, sondern Unabhängigkeit.

Vielleicht mag es für uns eine Anregung sein zum Hochfest des Franziskus hin, einmal zu beobachten, was von unserem Besitz uns abhängig macht und was davon uns wirklich ein Mehr an Freiheit bringt?

Das bekannte und detailreiche Franziskuskreuz von San Damiano hängt in einer Seitenkapelle von Santa Chiara von der Decke über einem Altar. Am deutlichsten und größten ist Christus mit den Wundmalen auf dem Kreuz zu erkennen.
© Sandra-Maria Lernbecher

Literaturtipp: Gilbert K. Chesterton, Hl. Franziskus von Assisi, Media Maria Verlag Illertissen 2014, hier: S. 113-115.

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